Weltcup in Hamburg
Eine Million Zuschauer bejubeln starken Ullrich
Bettini Sieger vor Rebellin und Ullrich / Weltcup: Van Petegem knapp vorn

Foto: Roth
03.08.03 (dpa/rsn) - Eine Woche nach der Tour de France hat sich Jan
Ullrich beim Hamburger Weltcuprennen in Topform präsentiert und den
dritten Platz erkämpft. Im Spurt einer fünfköpfigen Ausreißergruppe
musste der Tour-Zweite nur den Italienern Paolo Bettini und Davide
Rebellin den Vortritt lassen. «Das war hier fantastisch heute, ich
hatte ein Gänsehaut-Gefühl», sagte ein zufriedener Ullrich nach 253
Kilometern.
"Die
letzten 15km am Waseberg waren einfach unglaublich schwer
und jeder gab alles.
Aber in der Gruppe waren wir uns einig."
Im Weltcup verteidigte der Belgier Peter van Petegem (Lotto)
seine Führung. Der Roubaix- und
Flandern-Sieger hat nun 203 Punkte
auf dem Weltcup-Konto. Mailand-San Remo-Sieger Bettini
rückte nach seinem zweiten Weltcup-Saisonsieg bis auf drei Zähler heran.
Das nächste Weltcup-Rennen,
die Clasica San Sebastian im Baskenland, findet bereits am kommenden
Samstag statt.
macht mir Spaß und
die Atmosphäre im Team ist sehr gut.
Ich habe heute alles versucht."
Rund eine Million Menschen hatten den 29-jährigen Ullrich bei
brütender Hitze angefeuert. «Man fährt hier einfach am Anschlag, die
Begeisterung trägt einen», sagte der Wahl-Schweizer nach seinem
Kraftakt. Schon 50 000 Menschen bestaunten am Morgen auf der
Einkaufsmeile Mönckebergstraße die Abfahrt der 185 Profis. «Die gute
Stimmung hier spornt unheimlich an. Jan hat gut attackiert, meinen
Respekt», sagte Zabel, für den es wie bei der Tour wieder nicht für
einen Erfolg reichte.
Das erste wichtige Rennen nach der Tour de France begann, als
hätte ein großer Teil der Fahrer nicht schon die «Große Schleife» in
den Beinen. Der Franzose Stephane Auge (Crédit Agricole) setzte sich
bereits nach fünf Kilometern vom Hauptfeld ab. Roberto Lochowski
(Leipzig) vom Team Wiesenhof, der schon im Vorjahr einen
Absetzversuch gewagt hatte, hängte sich an Auge. Die beiden Ausreißer
vergrößerten zwischenzeitlich den Vorsprung auf 16 Minuten, konnten
aber nach 188 Kilometern wieder eingeholt werden. Kurz danach stiegen
Jörg Jaksche (Ansbach) und der Australier Baden Cooke, Gewinner des
Grünen Trikots bei der Tour, aus dem Rennen aus.
Der Waseberg mit seinen 16 Prozent Steigung, die Schlüsselstelle
des Rennens, sprengte das Feld zum Ende des Rennens Ullrich und
Bettini führten eine Spitzengruppe an und konnten nicht wieder
eingeholt werden. «Jetzt bin ich ganz schön kaputt und könnte einen
Urlaub gebrauchen. Dazu bin ich auch noch erkältet», erzählte ein
erschöpfter Ullrich.
Mit Fähnchen und überschwänglichem Applaus wurde das Radsportidol
Ullrich gefeiert. Er fuhr als Amateur von 1991 bis 1995 für die RG
Hamburg und traf viele alte Freunde wieder. Motiviert von dem Tour-
Zweiten radelten noch 13 500 Jedermannfahrer 55, 120 oder 170 km
lange Strecken vor den Profis. «Danke Jan», war überall auf den
Asphalt geschrieben. Wo immer der gebürtige Rostocker auftaucht, die
Sympathien der Menschen sind ihm gewiss. Eine Million e-mails, so
Manager Wolfgang Strohband, habe er bei der Tour am Tag des letzten
Zeitfahrens erhalten.
Auch im Umgang mit den Medien ist er lockerer und offener
geworden. Freimütig gewährte der stolze Familienvater Einblicke in
sein Privatleben, das nach der Geburt von Tochter Sarah Maria vor
fünf Wochen zu kurz kommt. «Meine Freundin Gaby kümmert sich um
alles. Ich muss meinen Schatzi nur etwas knuddeln und knutschen und
würde viel öfter zu Hause bleiben», sagte der in Scherzingen lebende
Tour-Sieger von 1997 «Die Schweizer sind etwas zurückhaltender. Ich
werde dort in Ruhe gelassen.» Und wenn die Aufregung etwas
nachgelassen hat, will Ullrich seine Gaby heiraten, verriet er am
Wochenende. «In diesem Jahr aber nicht mehr.»
Nach den Kriterien-Siegen in Hannover und im
niederländischen Stiphout zeigte
sich der Olympiasieger auch bei einem richtigen Rennen
gut in Form. In der kommenden Woche will er in Dortmund
bei einem Kriterium und am Samstag in Bochum bei einem Straßenrennen
starten. «Ob ich die Vuelta fahre, weiß ich noch nicht, ich muss
sehen wie meine Form ist», räumte Ullrich ein.
Zu Gerüchten über eine Rückkehr ins Team Telekom äußerte sich der
Bianchi-Profi zurückhaltend. «Mein Ziel ist es, gute Sponsoren zu
finden, damit es mit Bianchi weiter geht. Es gibt viele Anfragen von
Fahrern, die mich unterstützen wollen. Aber das Potenzial eines Teams
hängt vom Budget ab», so Ullrich.
Diesen Artikel versenden
04.08.03 (2002) Der alte Mann und das Meer: Museeuw in Hamburg
26.07.02 Weltcup-Rennen in Hamburg: HEW bleibt Sponsor bis 2006
20.08.01 (2001) HEW Cyclassics in Hamburg: Zabel mit erstem deutschen Weltcup-"Heimsieg"
30.07.00 (2000) HEW Cyclassics in Hamburg: Missaglia gewinnt Hamburger Weltcup-Rennen
15.08.99 (1999) Celestino trotzt Favoriten und dem Hamburger Schmuddelwetter - Schweda sensationell Zweiter
16.08.98 (1998) Van Bon gewinnt beim Hamburger Radsportfest
|