96.Lombardei-Rundfahrt
Bartoli-Triumph am Ende des italienischen Herbstes
Gerolsteiner-Star Rebellin Zweiter / Paolo Bettini Weltcup-Sieger 2002

Foto: Sabine Jakob
19.10.02 (rsn) - Der Profi-Radsport in Italien -
wie in fast ganz Europa - befindet sich in einer Krise,
doch sportlich stellt sich der ciclismo im
Herbst 2002 glänzend dar: Eine Woche nach den italienischen WM-Siegen
bei Profis und Nachwuchs gewann am Samstag der Toskaner
Michele Bartoli (Fassa Bortolo) den "monumentalen"
Herbstklassiker Lombardei-Rundfahrt, sein Landsmann
Paolo Bettini (Mapei) holte sich in Bergamo den Gesamt-Weltcup.
prächtig dafür, nicht
für die WM nominiert worden zu sein: Erst am Mittwoch hatte
er den Klassiker Mailand-Turin gewonnen.
Bei sonnigem, aber kühlem Herbstwetter
setzte sich Bartoli am Samstag in Bergamo nach 251km im Sprint
einer Spitzengruppe durch
und feierte zum ersten Mal in seiner
erfolgreichen Karriere den Sieg beim
wichtigsten Herbstklassiker,
bei dem Bartoli seit 1995 schon sechs (!) Mal
unter die ersten Fünf kam.
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Auf den letzten Anstiegen hinauf nach Bergamo
am Ende des schweren Parcours hatte
sich niemand
lösen können aus der Spitzengruppe und die Entscheidung fiel im Sprint.
Bartoli setzte sich durch vor Davide Rebellin vom deutschen "Gerolsteiner"-
Rennstall, der damit noch einmal kräftig für
die UCI-Teamwertung punktete
und die Qualifikation seines Teams für
die nächste Tour de France sicherstellte.
Dritter wurde der Schweizer Oscar Camenzind,
der die Lombardei-Rundfahrt 1998 (als Weltmeister) schon
einmal gewann.
Michele Bartoli ist 32 Jahre alt
und einer der besten Rennfahrer der Welt.
In dieser Saison gewann er im April
das Amstel Gold Race. Im Mai
hatte er Pech, als er bei der ersten Etappe
des
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Bartoli umarmt Weltcup-Sieger Bettini, der ihm seinerseits
treuer Helfer war, als er zwei Mal den Weltcup holte
Foto: Sabine Jakob
Michele Bartoli
Geb. 27. Mai 1970 in Pisa (Toskana/Italien);
1,79 m/65 kg
Profi seit 1992
Teams: Mercatone Uno (1992-1995), MG (1995-1997), Asics (1998),
Mapei (1999-September 2001), Fassa Bortolo (seit September 2001)
Größte Erfolge:
Weltcup-Sieger 1997 und 1998,
Italienischer Meister 2000.
Flandern-Rundfahrt 1996, Lüttich-Bastogne 1997 und 1998, GP Suisse 1998,
Amstel Gold Race 2002, Lombardei-Rundfahrt 2002,
Henninger Turm 1997, Wallonischer Pfeil 1999, GP Ouest-France 2000, Het Volk
2001, Emilien- Rundfahrt 2002, Milan-Turin 2002,
Pfeil von Brabant 1994 und 1999, GP Cerami 1994, Giro Reggio Calabria 1996, GP
de Larciano 1996, Venetien-Rundfahrt 1996, Emilien- Rundfahrt 1996, GP de Fourmies
1996, Trofeo Laigueglia 1997, Trofeo Melinda 1997, GP Gippingen 1998,
Giro Reggio Calabria 1998, Romagna- Rundfahrt 1998, GP de Camaiore 2001
Rundfahrten: Sizilianische Woche 1993 (+ 2 Etappen), Drei Tage von de Panne 1995 (+ 1 Etappe)
und 1998, Tirreno-Adriatico 1999, Mittelmeer-Rundfahrt 2002 (+ 1 Etappe),
Zwei Etappen Giro d'Italia (1994 und 1998),
Etappensieger Tour de Suisse, Mittelmeer-Rundfahrt, Ruta del Sol etc
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Giro d'Italia in Münster
schwer stürzte - ausgerechnet wieder
in dem Land, in dem er sich bereits 1999
einmal bei der Deutschland-Tour ganz schwer
verletzte. Der Sturz von Münster
kostete Bartoli den Sommer,
doch im Herbst ist der zweifache
Weltcup-Sieger wieder da.
Bartolis Team hatte im Finale das Rennen
perfekt kontrolliert.
Nach dem Berbenno, dem wichtigsten Berg
des Klassikers, konterte "Fassa Bortolo"
alle Attacken und weder Codol,
Vasseur oder Vinokourov
konnten sich absetzen vor der Pflasterstraße des
Largo Colle Aperto vor den Toren
von Bergamo. 3.000 Meter vor Schluß
fuhr Francesco Casagrande an der Spitze,
hinter ihm Telekom-Profi Alexandre Vinokourov und
ein gut platzierter und stets wachsamer
Bartoli. Der Sprint war eine Formalität für den Toskaner,
der nach all dem Verletzungspech der letzten Jahre
auch sein Selbstvertrauen wiedergefunden hat.
"Dies war meine beste Saison", sagte
Bartoli und nahm sein vier Wochen altes Töchterchen Clarissa in den Arm.
Unterdessen ´konnte der Franke Mathias Kessler (Telekom)
nach seinem 2. Platz vom vergangenen Donnerstag bei der Piemont-Rundfahrt
seine großen Hoffnungen am Samstag nicht ganz erfüllen.
Der Nürnberger, im Vorjahr
11. bei der Lombardei-Rundfahrt, konnte im Finale
der Spitzengruppe nicht folgen,
fuhr aber ein sehr gutes Rennen. Am Ende kam Kessler als bester Deutscher auf Platz 18 -
eine sehr ordentliche Leistung, zumal
für einen 23-Jährigen.
Cipollini bei der Madonna del Ghisallo
Weltmeister und Superstar Mario Cipollini war
zum letzten großen Saisonrennen nicht angetreten,
auf dem anspruchsvollen Kurs über vier Anstiege hätte er ohnehin keine Chance
gehabt. "SuperMario" kam zum Startschuss in Cantu in
Jeans und weißem Pullover und reiste danach im Auto weiter zur Kirche
Madonna di Ghisallo, die an der Strecke liegt. Der Hügel mit der
Kapelle am Comer See ist ein Wallfahrtsort für italienische Radsport-
Fans. Cipollini (im Gefolge ein großer Presse-Tross) legte sein vor
einer Woche in Zolder/Belgien gewonnenes Regenbogentrikot auf den
Altar der Kirche, vor der ein Denkmal des italienischen Radsport-
Heroen Fausto Coppi steht.
Beistand von oben kann der kriselnde ciclismo,
gebrauchen.
Im kommenden Jahr droht fast hundert guten Profis
Arbeitslosigkeit.
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