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94.Mailand-San Remo
Paolo Bettini und Quick Step zaubern weiter
Weltcup-Sieger gewinnt in San Remo / Cipollini gewinnt Sprint des Feldes


Foto: Roth

22.03.03 (rsn) - Paolo Bettini und sein "Quick Step"-Team gaben am Samstag bei der "classicissima" den zweiten Akt der Glanzvorstellung, die sie beim Auftakt der Frühjahrsklassikersaison in Flandern bei "Het Volk" vor drei Wochen begannen. Ein unwiderstehlicher Bettini gewann den Weltcup-Auftakt Mailand-San Remo im Sprint einer dreiköpfigen Ausreißergruppe vor Mirko Celestino (Saeco) und seinem Teamkollegen Luca Paolini. Die Sprinter mussten sich diesmal erstmals seit Jahren wieder mit den Brosamen zufrieden geben.

"Ich habe in den letzten Jahren viel gelernt bei Mailand-San Remo. Man hat mir immer erzählt, dies sei kein Rennen für mich. Aber ich wusste, wenn das Rennen vor dem Poggio schwer gemacht wird, habe ich eine Chance", sagte der glückliche neue San Remo-Sieger, der mit einer ersten Attacke an der Cipressa gescheitert war. "Am Poggio hatte ich dann Angst zu verlieren, ich war gar nicht gut platziert, aber Paolini hat mir Mut gemacht, es nochmal zu versuchen. Als wir nach der Abfahrt Di Luca eingeholt haben, sagte ich mir: Vielleicht gewinnst Du doch noch heute."

Weltmeister Mario Cipollini, der so davon geträumt hatte, zum zweiten Male hintereinander und im Regenbogentrikot bei der mythischen "Primavera" zu triumphieren, gewann an seinem 36.Geburtstag nach einem starken Rennen den Sprint des Feldes, das zehn Sekunden nach dem Sieger die Ziellinie überquerte. Erik Zabel wurde wie bei Tirreno- Adriatico von "SuperMario" vernascht und brauchte sich als Sechster dann wenigstens nicht grämen, dass die Entscheidung um den Sieg nicht im Massensprint fiel. "Das Finale war so hektisch, ich wusste
Cipressa: Bettini, Rebellin und Freire attackieren, Vino denkt an Zabel


Sprint um Platz 4: Cipollini vor Pieri und Zabel Fotos: Roth
gar nicht dass vorne drei weg sind", sagte der vierfache San Remo-Sieger nach seinem elften classicissima-Erlebnis.

"Ich freue mich für Bettini", sagte Cipollini, der im Finale ständig präsent war und stärker schien als bei seinem Sieg vor einem Jahr. "Ich erinnere mich daran, was Bettini bei der letzten WM (in der italienischen Nationalmannschaft für mich getan hat. Meine Mannschaft hat heute gut gearbeitet und die Löcher zugefahren. Aber wir hatten es mit einem super Quick-Step-Team zu tun. Unter diesen Umständen kann ich nicht enttäuscht sein." Nach der Zieldurchfahrt hatte "SuperMario" zunächst weniger abgeklärt gewirkt, als er sich den Österreicher Bernhard Eisel vorknüpfte. Der arme Eisel wusste gar nicht wie ihm geschah, denn eigentlich galt Cipollinis Groll seinem australischen "Fdjeux"-Teamkollegen Baden Cooke, durch den sich Cipollini behindert sah.

Paolo Bettini, der Weltcup-Sieger des letzten Jahres, hatte wie schon vor Monaten angekündigt an der Cipressa knapp 25km vor Schluss attackiert, nachdem Celestino die Initiative ergriff. Der Vorstoß einer brandgefährlichen Gruppe (Bettini, Vinokourov, Rebellin, Freire) wurde gekontert, doch Bettini ließ sich nicht entmutigen und setzte am Poggio 6km vor der Ziellinie auf der Via Roma erneut eine Attacke zusammen mit seinem Helfer Luca Paolini, der sich großartig für seinen Kapitän ins Zeug legte. Bettini gewann zum vierten Mal ein Weltcup-Rennen. Die neue "Quick Step"-Mannschaft, die Patrick Lefevere aus den Trümmern des zugemachten Mapei-Rennstalls aufgebaut hat, zeigte eine Glanzleistung und belegte wie auch schon bei Het Volk die Plätze eins und drei. Mapei hatte übrigens in seiner langen Erfolgsgeschichte fast alles gewonnen - Mailand-San Remo nie.

Der spanische Doppel-Weltmeister Oscar Freire (Rabobank) hatte es auch schon einige Male versucht, im Mapei-Trikot in San Remo zu gewinnen. Am Samstag war er am Ende Siebter hinter Zabel. An der Cipressa, dem vorletzten Berg, hatte Freire in einer Gruppe mit Bettini attackiert. "Ich habe was versucht an der Cipressa. Der Anstieg kam mir unendlich vor. Mir war klar, dass Bettini ein Problem für al le anderen darstellt.


Foto: Roth
Paolo Bettini

Geb.1.April 1974 in Cecina (Italien); 1,69m/58 kg

Profi seit 1997
Teams: MG (1997), Asics (1998), Mapei (1999-2002), Quick Step (2003)

Größte Erfolge: Weltcup 2002, Milan-Sanremo 2003, Lüttich-Bastogne-Lüttich 2000 und 2002, Meisterschaft von Zürich 2001, Coppa Placci 2001, Latien-Rundfahrt 2002, Coppa Sabatini 2002; Etappenrennen: Etappe Tour de France 2000 (Dax), Mittelmeer-Rundfahrt 2003 Lucca-Rundfahrt 1999 (+ 1 Etappe), Semana internationale 2000 (+ 2 Etappen), Memorial Cecchi-Gori 2002 (+ 2 Etappen), Riviera-Rundfahrt 2002 (+ 2 Etappen ), Tour de la Région wallonne (+ 1 Etappe), Ettapensiege bei Tour de Romandie 1998, Tirreno-Adriatico 1999, Galizien-Rundfahrt 1999, Mémorial Cecchi-Gori 1999, Mallorca-Challenge 2000, 2 Etappen Malaisia-Rundfahrt 2001, Etappe Lucca-Rundfahrt 2001, Etappe Tirreno-Adriatico 2002

Jeder hat ein Auge auf ihn, "Vino" wollte nicht fahren und Bettini merkte, dies war noch nicht der entscheidende Coup." Gerolsteiner-Kapitän Davide Rebellin war sauer auf seinen kasachischen Telekom-Kollegen Vinokourov: "Wir wären weg gekommen, wenn er an der Cipressa mitgearbeitet hätte", meinte der Italiener nach dem Rennen. "Wir hatten Vino über Funk gesagt, keine Führungsarbeit zu leisten. Die Zusammensetzung der Gruppe war so, dass er im Endspurt keine Chance auf den Sieg gehabt hätte", erklärte Telekom-Sportdirektor Mario Kummer, der ganz auf Zabel setzte.

Mitfavorit Danilo Di Luca (Saeco) war an der Cipressa im Feld geblieben und hatte dafür am Poggio sein Glück versucht: "Als Bettini zum ersten Mal attackiert hat, habe ich Cipollini angeschaut: Er war ganz ruhig. Da habe ich auch gewartet. Ich denke nicht, dass es falsch war, an den ersten Kehren des Poggio wegzufahren. Normalerweise war das genau richtig. Was mich zerlegt hat, war der starke Wind oben am Poggio. Ich hatte keine Beine mehr. Aber ich freue mich für Bettini, er verdient den Sieg in San Remo."

Neun Rennfahrer (Durand, Augé, Wrolich, Da Cruz, Aebersold, Vansevenant, Gutierrez, Van Hyfte, Lopez Gil) hatten am Samstag eine lange Flucht initiiiert und waren nach sieben Kilometern davongefahren. Der letzte "Überlebende" der Gruppe wurde 30km vor dem Ziel gestellt und es begann die heiße Phase des magischen Klassikers, bei dem diesmal Quick Step zauberte. Wenn es nach Bettini unbd Co. geht, wird das auch beim zweiten Weltcup-Rennen am 6.April so sein. "Heute war ich der Kapitän, bei der Flandern-Rundfahrt wird es Johan Museeuw sein", sagte Bettini.


Quick Step zaubert: Paolini tritt an für Bettini
Foto: Roth

Einige Teilnehmer der "primavera" hatten vor dem Start brav einen "Friedensappell" unterzeichnet, bei dem allerdings eher unwahrscheinlich ist, dass der Krieg gegen den irakischen Diktator Hussein dadurch beeinflusst wird. Blut floss jedoch auch bei dem Radrennen: 50km vor dem Ziel war der Slowene Martin Derganc (Domina Vacanze) auf der Abfahrt gegen eine Leitplanke geprallt und leblos auf dem Asphalt liegen geblieben. Böse Erinnerungen an den fatalen Unfall von Andrej Kivilev vor elf Tagen bei Paris-Nizza wurden wach. Derganc, der einen helm getragen hatte, wurde ins Krankenhaus von Imperia eingeliefert, nachdem er künstlich beatmet worden war. Kurz nach dem Ziel kam eine erste Nachricht aus dem Krankenhaus: Derganc sei ansprechbar. Hirnverletzungen schlossen die Ärzte aus und der Team-Kollege von Cipollini wurde mit einer Gehirnerschütterung wieder entlassen. Sein Teamleiter brachte ihn abends in San Remo wieder ins Hospital - um das gebrochene Schlüsselbein richten zu lassen.

Story-Update 23.03.03

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Mailand-San Remo: Ergebnisse, Palmares, Weltcup-Stand

Übersicht: Mailand-San Remo




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