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Freire gewinnt 95.Mailand-San Remo
Zabel verschenkt fünften classicissima-Triumph
Zabel: "Immerhin Petacchi geschlagen" / Bettini: "Alles richtig gemacht"


Foto: Roth

SAN REMO, 20.03.04 (rsn) - Der Spanier Oscar Freire (Rabobank) gewann am Samstag die 95.Auflage des Frühjahrs-Klassikers Mailand-San Remo. Auf der Via Roma setzte sich der zweifache Weltmeister nach 294km im Massensprint durch vor T-Mobile-Star Erik Zabel, der seinen fünften "classicissima"-Triumph verschenkte. Während der Berliner bereits zum Jubel ansetzte, schob sich Freire noch an ihm vorbei. Zu den Verlierern der "primavera" zählten auch die italienischen Topfavoriten Alessandro Petacchi und Paolo Bettini, die zwar stark fuhren, aber am Ende mit leeren Händen dastanden.

95.Mailand-San Remo
  • Stimmen zum Rennen: Freire, Zabel, Petacchi...
  • Primavera Rosa: Zabirova erneut als Solistin
  • Wie alles begann: 1906 im Cafe Rigolo...
  • Ergebnisse, Palmares...
  • Petacchis Fassa Bortolo-Team hatte das Feld auf die Zielgerade geführt und alles deutete darauf hin, dass der 30-jährige Sprinter-Star zum ersten Mal einen großen Klassiker gewinnt. 100 Meter vor der Ziellinie war Petacchi im Wind - zu früh, wie sich zeigte. Zabel ging locker an dem Ligurier vorbei und glaubte bereits an den fünften Sieg in San Remo, den ihm in diesem Jahr eigentlich kaum einer zugetraut hatte. Doch der 33-Jährige hatte sich zu früh gefreut. Im letzten Moment ging Freire rechts an ihm vorbei. Zabel erkannte seinen Irrtum sofort und winkte frustriert ab.




    Fotos: Roth
    Der 28 Jahre alte Spanier, 2000 schon einmal Dritter, gewann mit knappem Vorsprung und feierte erstmals in seiner Karriere den Sieg bei der "Primavera". Seit Miguel Poblet 1959 hatte kein Spanier mehr in San Remo gewonnen. Petacchi musste sich mit Platz vier hinter dem Australier Stuart O'Grady (Cofidis) begnügen.

    "Ich habe geglaubt, ich gewinne", sagte Zabel, der auf dem Podium gar nicht enttäuscht wirkte. "Ich habe Petacchis Hinterrad genommen und ging recht leicht an ihm vorbei. Dann sah ich die Linie und nahm die Arme hoch. Ich habe sofort gemerkt, dass ich einen Fehler gemacht habe und dass Freire noch vorbeiging. Aber ich sehe es positiv. Alle sagten schon, ich sei auf dem Weg nach unten. Aber immerhin habe ich heute Petacchi geschlagen."

    Petacchi, der auch beim letzten Paris-Tours als Favorit gescheitert war, war tief enttäuscht nach dem Rennen, bemühte sich aber auch, noch etwas positives aus seiner zweiten Niederlage bei einem Klassiker zu ziehen: "Cipressa und Poggio sind wir so schnell hochgefahren. Am Ende habe ich dafür bezahlt. Ich bin sicher zu früh angetreten. Aber ich weiß jetzt immerhin, dass ich dieses Rennen eines Tages gewinnen kann."



    Oscar Freire (Esp)
    Geb. 15.Februar 1976 in Torrelavega (Esp); 1,71m/63 kg

    Profi seit 1998
    Teams: Vitalicio (1998 - 1999), Mapei (2000 - 2002), Rabobank (seit 2003)

    Größte Erfolge: Weltmeisterschaft 1999 (Verona) und 2001 (Lissabon), Mailand-San Remo 2004, Trofeo Luis-Puig 2004, Etappe Tour de France 2002 (Saarbrücken), 2 Etappen Spanien-Rundfahrt 2000, Lucca-Rundfahrt 2003 (+ 2 Etappen), Vier Etappen Tirreno-Adriatico (2/2000, 1/2003, 1/2004), Etappe Castilla y Leon 1998, Etappe Valencia-Rundfahrt 2000, 2 Etappen Aragon-Rundfahrt 2000, Etappe Deutschland-Rundfahrt 2001, Etappe Burgos-Rundfahrt 2001, 2 Etappen Ruta del Sol 2003, Etappe Katalonien-Rundfahrt 2003
    "Ich bin Erik nicht böse. So oft wurde geschrieben: 'Zabel wieder nur Zweiter'. Da ist es verständlich, dass er so außer sich vor Freude war. Hätte er nicht gejubelt, hätte er das Rennen gewonnen - ganz sicher", kommentierte T- Mobile-Team-Manager Walter Godefroot den Anfängerfehler seines Sprinter-Stars, der die vielleicht letzte Chance auf einen weiteren San Remo-Triumph verschenkte.

    "Zabel hatte gute Beine, aber er hat einen Fehler gemacht. Wenn er nicht zu früh die Arme hochgenommen hätte, ich weiß nicht, ob ich dann gewonnen hätte. Schwer zu sagen. Aber Hauptsache ist, man fährt als erster über die Ziellinie". meinte Freire zu dem kuriosen Ausgang der "classicissima". Freire ("Endlich habe ich hier gewonnen") widmete seinen Sieg dem Teampatron des aufgelösten Mapei-Teams Giorgio Squinzi, dessen Team alle Klassiker gewann - nur nicht San Remo. Dann wurde die Mannschaft aufgelöst und es gewannen hintereinander die ehemaligen Mapei-Fahrer Bettini und Freire...


    Dierckxens und der Rest der frühen Ausreißer


    Bettini: "Habe mir nichts vorzuwerfen"
    Fotos: Roth
    Die von der Sonne verwöhnte Riviera hatte sich diesmal in Wolken gehüllt. Bevor die Küste erreicht war, mussten sich die 195 Starter am Turchino durch Regen und Nebel kämpfen. Nach 60 km hatten sich fünf Fahrer (Portal, Dierckxsens, Barredo, Tauler, Tomi) abgesetzt, die zwischenzeitlich fast 17 Minuten Vorsprung hatten. Am Fuße der Cipressa wurde Ludo Dierckxsens nach 200km an der Spitze als letzter der Ausreißer gestellt. In der Folge attackierten der Holländer Erik Dekker (Rabobank) und der Italiener Mirko Celestino an dem 240m hohen Riviera-Hügel. Sie wurden jedoch bald wieder gestellt. Im wie immer nervösen Rennen auf der Abfahrt der Cipressa stürzten die italienischen Mitfavoriten Michele Bartoli (CSC) und Davide Rebellin und hatten damit keine Chance mehr, in die Entscheidung einzugreifen. Gerolsteiner-Kapitän Rebellin beendete das Rennen und schien weitgehend unverletzt. Vorsorglich ließ er sich im Krankenhaus das Becken röntgen.

    Der italienische Topfavorit Paolo Bettini (Quick Step) attackierte wie angekündigt auf den letzten 1000 Metern des mythischen Poggio, dem letzten Berg sechs Kilometer vor dem Ziel. An gleicher Stelle war die "Grille" im letzten Jahr angetreten und hatte seinen Triumph vorbereitet. Bettini ließ ein Trio mit Freire-Helfer Dekker und den Spaniern Angel Vicioso und Oscar Pereiro mörderischen Antritt stehen, doch er konnte sich nicht weit genug absetzen. Am Ende musste sich der Vorjahressieger im Sprint mit Platz 8 begnügen. Bettini: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich bin gefahren, wie ich fahren musste. Am Poggio war es nicht leicht wegen des Winds. Ich habe alles gegeben."

    Enttäuscht rollte derweil Mario Cipollini (Domina Vacanze), der "primavera"-Sieger von 2002, als 109. über die Ziellinie. "Ich hatte heute keine Beine, nachdem ich Fieber hatte letzte Woche. An der Cipressa musste ich reißen lassen und das wars. Freire ist ein würdiger Sieger."

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    Ergebnisse: Mailand-San Remo



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