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20.Clasica San Sebastian
Erik Dekkers Traum geht auch im Weltcup weiter
Tchmil und Vainsteins auf Plätzen zwei und drei: Zabels Weltcupführung schmilzt

  12.08.00 - "Ich werde versuchen, bei den Sommer-Weltcup-Rennen noch ein bißchen von meiner Tourform zu profitieren", hatte der Niederländer Erik Dekker (Rabobank) nach seinem dritten Etappentriumph bei der Tour de France vor wenigen Wochen gesagt und dabei vor allem an die Clasica San Sebstian gedacht. Am Samstag bei dem siebten Weltcuprennen der Saison rund um die baskische
Metropole attackierte der 29-Jährige 1.500 Meter vor Schluss und brachte einen knappen Vorsprung ins Ziel vor einer Verfolgergruppe. Erik Zabel (Telekom), der nicht in die Punkteränge kam, konnte seine Weltcupführung behaupten, doch seine Verfolger machten Boden gut.

Der Traum geht weiter für Erik Dekker, den Puncheur im Trikot von Rabobank, dem bei der Tour de France das Kunststück gelang, als Attackierer drei Mal zu gewinnen in Villeneuve-sur-Lot, Revel und Lausanne. Ein "Hattrick" ist normalerweise bei den Rundfahrten Sprintern vorbehalten. Mit dem Schwung aus der Tour schlug Dekker dem für die "Clasica" ungewöhnlich großen Feld, das in San Sebastian die Zielgerade erreichte, ein Schnippchen, obwohl dies ja hinlänglich genug gewarnt sein musste . Nach 230km gewann Dekker mit der Zeit von 5.16:01 Stunden mit vier Sekunden Vorsprung vor dem Weltcupsieger des letzten Jahres, Andrej Tchmil, der den Sprint der Verfolgergruppe vor Romans Vainsteins gewann.

Zwölf lukrative Starts bei Nach-Tour-Kriterien haben Dekkers Form nicht beeinträchtigen können. In San Sebastian am Samstagmorgen sagte der Holländer seinen Teamkollegen, er wolle "etwas versuchen". Dekker: "Dieses Rennen liegt mir sehr, denn die Taktik hier ist ganz einfach. Man muss am Anstieg des Jaizkibel 30km vor dem Ziel vorn dabei sein und noch gute Beine haben. Ich habe meine Teamkollegen gebeten, mich so gut wie möglich bis an den Fuß des Jaizkibel heranzufahren."

Das tat Dekkers Team. Der Rest schien für den Attackierer reine Routine: "An nichts denken" (Dekker) und auf den entscheidenden Moment warten. 1.500 Meter vor Schluss sah der Gewinner der "Kämpferwertung" der Tour de France diesen gekommen und er trat unwiderstehlich an. Dekker kam es zugute, dass es Mapei wieder einmal - wie bereits bei Milan-San Remo im März - nicht gelang, für Weltmeister Oscar Freire den Sprint richtig vorzubereiten. Als Manuel Beltran vorn schwächelte, nutzte Dekker die Gunst und weg war er...


Foto: Mario Stiehl

Erik Dekker
Geb. 21.08.1970 in Hoogevenen (Ned)
Verheiratet mit Petra, Vater zweier Söhne (Kelvin und David). Wohnort: Meerle Hoogstraten (Bel)
1,82 m, 66 kg

Profi seit 1992
Teams: Buckler (92), WordPerfect (93-94), Novell (95), Rabobank (seit 96)


Größte Erfolge: Clasica San Sebastian 2000, 3 Etappen Tour de France 2000 (Villeneuve, Revel und Lausanne), Holl. Landesmeister im Zeitfahren 1996, GP Eddy Merckx 1999 (Paarzeitfahren mit Marc Wauters), Holland-Rundfahrt 1997 (Ges. u. 1 Etappe), Schweden-Rundfahrt 1994 und 1995, Rund um Köln 1995, Seraing - Aix - Seraing 1996, Prolog Regio-Tour 1996, Etappensieg Baskenland- Rundfahrt 1994, 2 Etappensiege RLP-Rundfahrt 1999, GP Scherens 1995.
Tour de France: 7. Teilnahme; drei Etappensiege (2000), Gesamtklassement: 101./1994, 70./1995, 74./1996, 81./1997, Aufgabe/1998, 107./1999.

Dekkers Antritt war von mehr Erfolg gekrönt als die Flucht von Nico Mattan (Cofidis) zuvor. Der Belgier hatte an diesem düsteren Sommertag im Baskenland, bei dem die meiste Zeit ein Sprühregen herrschte, die einzige Flucht unternommen. Die schlechten Wetterbedingungen hatten nicht nur Francesco Casagrande (Vini Caldirola), der die Clasica in den beiden letzten Jahren gewann, etwas aus dem Tritt gebracht und den Rennverlauf mitbestimmt. Am Jaizkibel, dem 5,74 Prozent steilen Berg, an dem normalerweise bei der "Clasica" die entscheidende Selektion stattfindet, kam es diesmal nicht zur Vorentscheidung. Eine Gruppe mit 53 Fahrern, soviel wie selten zuvor, erreichten die Zielgerade, darunter Casagrande (22. Platz), Richard Virenque (35.) und Michele Bartoli (47.).

Zabel: "Weltcup mehr wert als Olympiamedaille"

Erik Zabel war nicht in dem ersten Feld dabei und der Träger des weißen Weltcup-Trikots erreichte das Ziel mit rund vier Minuten Rückstand. "Ete" gewann zwar den Sprint der zweiten Gruppe, bekam dafür aber nicht einmal die sprichwörtliche Goldene Ananas. So konnte Andrej Tchmil, der eigentlich nicht mit Weltcup-Punkten in San Sebastian kalkuliert hatte, seinen Rückstand auf Zabel im Weltcup-Gesamtklassement um 70 Zähler verkürzen. Der Telekom-Sprintstar führt jetzt mit 330 Punkten vor Tchmil (206) und Vainsteins (188), ein Vorsprung, der immer noch komfortabel, aber nicht uneinholbar ist. Zabel muss bei den drei ausstehenden Weltcup-Rennen Meisterschaft von Zürich (20.08.), Paris-Tours (8.10.) und Lombardei-Rundfahrt (21.10.) noch sehr aufpassen, vor allem auf Titelverteidiger Andrej Tchmil, der im im letzten Jahr bei allen Weltcup-Rennen punktete.

"Mein Vorsprung ist groß, aber ich habe bisher niemals daran gedacht, dass es schon entschieden ist", sagte Zabel. "Ich bin noch auf der Hut vor Tchmil und Vainsteins. Der Weltcup-Gesamtsieg ist für mich mehr wert als das Podium bei den Olympischen Spielen. Heute musste ich 2km vor dem Gipfel des Jaizkibel abreißen lassen. Aber wenn meine Mannschaft etwas motivierter gewesen wäre, denke ich, dass ich hätte vorn dranbleiben können."

Erik Dekker braucht nicht an den Weltcup zu denken, doch seine Saison, die für ihn mit einem Ellbogenbruch bei Paris-Nizza bitter begann, ist auch noch lange nicht vorbei. "Ich will meinen Job in diesem Jahr auch weiter 100 Prozent machen", so Dekker, der sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen will, sondern "meine Form konservieren für die Holland-Rundfahrt und die Olympischen Spiele". Ist die Goldmedaille in Sydney drin? Dekker vielsagend: "Wer weiß..." (kv)

Ergebnisse: Clasica San Sebastian

07.08.99 (1999) Francesco Casagrande findet in San Sebastian wiederum Trost für entgangene Tour-Erfolge
08.08.98 (1998) Clasica San Sebastian: Casagrande triumphiert vier Wochen nach seinem Tour-Pech

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