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90.Tour de France - 13.Etappe
Ullrich hat die Jagd auf Armstrong eröffnet
Armstrong: "Nicht sehr enttäuscht" / Sastre Etappensieger / Vino verliert Zeit


 Fotos: Roth

19.07.03 (rsn) - Als die Tour de France vor zwei Jahren zum letzten Mal am Plateau von Bonsacre im Schatten der Pyrenäen Station machte, hatte Lance Armstrong mit einem trockenen Antritt Jan Ullrich Zeit abgenommen und damit seiner Moral den entscheidenden Schlag versetzt. Am Samstag bei der 13.Etappe der Jubiläums-Tour war es an gleicher Stelle andersherum. Ullrich stibbitzte mit einer Attacke auf den letzten zwei Kilometern einem wackelnden Lance Armstrong einige Sekunden. Der Tagessieg bei der von großer Hitze geprägten Etappe ging nach 197,5km an den Spanier Carlos Sastre (CSC).

Ullrich, der am Freitag mit einem eindrucksvollen Zeitfahren sich selbst überrascht ("Jetzt ist alles möglich") und Armstrong geschockt hatte, eröffnete bei der ersten von vier Pyrenäen-Etappen seine Jagd
90.Tour de France
  • 13.Etappe: Offizielles Kommuniqué
  • Vorschau 14.Etappe: Im Garten der Berge
  • Das Wunderkind ist erwachsen
  • Tour-Tagebuch von Jörg Ludewig
  • Die Startliste
  • Etappen und Ergebnisse
  • auf den vierfachen Toursieger. Nach seinem Antritt im Finale zwei Kilometer vor dem Etappenziel in der Ski-Station Ax-3 domains in 1372 Metern Höhe trennen ihn nun noch 15 Sekunden vom Gelben Trikot.

    "Ich bin froh, dass Jan keine Angst hatte und selbst attackierte. Wir können jetzt nicht mehr bestreiten, dass er einer der Favoriten ist", lobte Bianchi-Teamchef Rudy Pevenage seinen Schützling, der schon auf der nächsten Etappe die Gelegenheit bekommt, Armstrong
    das Gelbe Trikot zu entreißen. Ullrich hofft, seine gesundheitlichen Probleme in den Griff zu bekommen. Nach Magenproblemen plagte den deutschen Tourstar am Samstag der Durchfall. Vor dem ersten Anstieg scherte er aus und verschwand kurz in den Büschen. Doch von Schwäche zeigte Ullrich am Samstag trotz Temperaturen von 41 Grad im Schatten keine Spur.

    Sastre hatte den 9,1km langen und 7,1 Prozent steilen Schlussanstieg zusammen mit seinem Landsmännern Jose Luis Rubiera (US Postal), dem letzten Versprengten einer frühen Ausreißergruppe, und Juan Miguel Mercado (Banesto) in Angriff genommen. Während seine Mitausreißer wieder zurückfielen, kämpfte sich Sastre bis ins Ziel, das er mit gut einer Minute Vorsprung








    Fotos: Roth
    vor Jan Ullrich und dem Basken Haimar Zubeldia (Euskaltel) erreichte. Lance Armstrong folgte als Vierter sieben Sekunden nach Ullrich. Der Kasache Alexander Vinokourov (Telekom), der ebenfalls Armstrong zu attackieren versuchte, hatte am Ende Probleme und musste im Finale der Etappe zehn Sekunden auf Armstrong und 17 auf Ullrich abgeben. Telekom-Teamchef Walter Godefroot meinte nach dem Rennen: "Jan ist jetzt der erste Kandidat für den Tour-Sieg."

    "Es ist ein Traum für jeden Profi, eine Etappe der Tour de France zu gewinnen", sagte Sastre, der zum Jubeln einen Baby-Schnuller (!) aus der Tasche packte... "Ich dachte beim Überqueren der Ziellinie an meine Frau und mein Töchterchen, den wichtigsten Menschen in meinem Leben." Der 28 Jahre alte Spanier, im vergangenen Jahr Gesamtzehnter, gewann zum ersten Mal in seiner Karriere eine Etappe der Tour de France. 2002 war er nach drei Helferjahren bei ONCE zum CSC-Team von Bjarne Riis gewechselt.




    Fotos: Roth

    Armstrong wackelt

    "Es war schwer heute, aber ich habe auch gar nicht erwartet, dass ich gute Beine habe", sagte Armstrong, dem im Finale sein Leutnant Roberto Heras nicht zur Seite stehen konnte. "Gestern war es sehr hart und ich habe fünf Kilo verloren in dem Zeitfahren, vermutlich wegen Dehydrierung. Es ist nicht möglich, sich in 24 Stunden wieder ganz davon zu erholen. Ich bin nicht allzu sehr enttäuscht. Für einen Moment dachte ich: 'Oh, ooh, wieder ein ganz schlechter Tag'. Aber am Ende war es ja noch okay", so Armstrong, der die Rolle des Unantastbaren der Tour fürs erste los ist, auch wenn er noch im Gelben Trikot fährt. Der Texaner stand bei der Tour de France seit 1999 nie so sehr unter Zugzwang. Er müsste seinen Vorsprung in den Pyrenäen unbedingt ausbauen, um beim Zeitfahren am vorletzten Tag gegen Ullrich eine Chance zu haben. "Wir haben noch zwei Pyrenäen-Etappen vor uns und ich werde attackieren, wenn ich die Gelegenheit habe"; sagte Armstrong.

    Armstongs US Postal-Team leistete am Samstag zunächst große Arbeit. Die Etappe war zunächst von einer zehnköpfigen Ausreißergruppe (Hushovd, Rubiera, Brochard, Turpin, Freire, Bertolini, Zberg, Gonzalez de Galdeano, Verbrugghe, Da Cruz) geprägt worden. Auf
    Foto: Roth
    den ersten Kehren des Pailhères, einem Berg der 1.Kategorie, kamen Sastre und Mercado aus dem Feld und schlossen zu Rubiera auf. An der Passhöhe in 2001 Metern Höhe hatte das Trio 50 Sekunden Vorsprung vor dem Verfolger Laurent Dufaux (Schweiz/Alessio), die Gruppe der Favoriten, in der Ullrich bereits seine Angriffslust andeutete, hatte 1:40 Minuten Rückstand. Am 9km langen Schlussanstieg ließ Sastre seine Mitausreißer hinter sich.

    Auf den letzten vier Kilometern wurde es für das Gelbe Trikot brenzlig. Armstrong musste auf viele Attacken reagieren. Zubeldia trat an, dann Vinokourov und schließlich übernahm Ullrich die Initiative. Der Baske Iban Mayo (Euskaltel), Achter, musste am Ende bezahlen für seine Offensive zuvor am Pailhères. Der Amerikaner Tyler Hamilton (CSC) bekam 6km vor Schluss Probleme und verlor eineinhalb Minuten auf Ullrich und Zubeldia. Der Italiener Danilo Di Luca (Saeco), musste derweil am Samstag das Rennen aufgeben. Der Lombardei-Rundfahrt-Sieger von 2001 stieg an der Verpflegungskontrolle vom Rad. Torsten Schmidt (Schwelm) vom Team Gerolsteiner gab als siebter der 17 gestarteten deutschen Tour-Teilnehmer auf.

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