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90.Tour de France - 16.Etappe
Tyler Hamilton: "Der härteste Tag meines Lebens"
95km-Flucht trotz lädierter Schulter / Armstrong und Ullrich belauern sich


 Fotos: Roth

23.07.03 (rsn) - Radprofis sind hart im Nehmen. Der Amerikaner Tyler Hamilton (CSC) fuhr im letzten Jahr mit einer angebrochenen Schulter aufs Podium des Giro d'Italia, bei der Tour de France gewann der Neuengländer, der zu Beginn des Rennens schwer gestürzt war, am Mittwoch in Bayonne mit einem Riß im rechten Schlüsselbein als Solist die 16.Etappe. Die Favoriten belauerten sich bei dem 197,5km langen Teilstück ins französische Baskenland und alles läuft bei der Jubiläums-Tour auf den großen Showdown zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich beim Zeitfahren am Samstag hinaus.

Hamilton gewann mit zwei Minuten Vorsprung vor der ersten Verfolgergruppe, in deren Sprint sich Erik Zabel (Telekom) durchsetzte. Hamilton, vor der Etappe Gesamtsiebter,
90.Tour de France
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  • spekulierte darauf, dass sich Armstrong und Ullrich gegenseitig blockieren und attackierte am ersten Berg des Tages, dem schweren Soudet rund 50km nach dem Start in Pau. Der 32-Jährige erreichte eine Ausreißergruppe, die sich im Flachen abgesetzt hatte. Am zweiten Berg, dem Bagarguy, ließ Hamilton seine Mitausreißer hinter sich und machte sich auf zu einer 95km langen Solo-Flucht, nach der er sich im Gesamtklassement um einen Platz verbesserte und an dem Italiener Ivan Basso vorbeizog.

    Am nebligen Bagarguy, dem letzten schweren Berg der 90.Tour, kämpfte sich Hamilton durch Zuschauermassen und baskische Fahnen. An der Passhöhe des 8,8km langen Anstiegs lag er 2:40 Minuten vor den ersten Verfolgern. Die 30 Mann starke Gruppe um Armstrong und Ullrich lag vier Minuten zurück. 79km km hatte Hamilton noch vor sich.

    "Als ich fünf Minuten Vorsprung hatte, musste ich alles geben, um die Moral der Verfolger zu brechen", sagte Hamilton, der bei seiner siebten Tour-Teilnahme zum ersten Mal eine Etappe gewann und eine fantastische Saison fortsetzte. Im Frühjahr gewann er Lüttich-Bastogne-Lüttich und Tour de Romandie. Der 32-Jährige, einstiger Leutnant von Armstrong, war vor zwei Wochen beim Massensturz der ersten Etappe in Meaux zu






    Armstrong gratuliert Hamilton
    Fotos: Roth
    Fall gekommen, biß sich jedoch trotz doppeltem, V-förmigen Haarriß im Schlüsselbein durch. "Vater Courage", nennt ihn L'Equipe seitdem. "Vor dem Start in Paris habe ich mir eigentlich mehr ausgerechnet im Gesamtklassement", meinte Hamilton. "Aber mit dem Sieg heute ist alle Enttäuschung vergessen." Für die CSC-Mannschaft war es bereits der dritte Etappensieg nach den Erfolgen von Jakob Piil in Marseille und Carlos Sastre in Ax-Bonascre.

    "Das war der härteste Tag meines Lebens", sagte Hamilton. "Mein besonderer Dank gilt meinem Team, das mich heute vormittag wieder ans Feld geführt hatte, nachdem ich kurz den Kontakt verloren hatte. Es war mein Fehler und meine Kollegen mussten das ausbaden. Ich schuldete ihnen heute was." Nachdem er wieder Anschluss gefunden hatte, startete er seinen Angriff. Dabei profitierte Hamilton auch von den Umständen. Ullrich und Armstrong nahmen sich gegenseitig in Manndeckung und ließen Hamilton gewähren. Am Schluss nützte es auch nicht mehr viel, dass Telekom für Sprinter Zabel und den Gesamtdritten Alexander Vinokourov im Feld Tempo machte. Der Magenta-Express rollte auf den letzten 45 Km und ebnete Zabel so auch den Weg zum zweiten Platz, womit er sich wertvolle Punkte in der Wertung für das Grüne Trikot holte, auch wenn Zabel dies nicht mehr zu interessieren scheint. "Ich schaue nicht aufs Trikot. Vielleicht kann ich Morgen in Bordeaux eine Etappe gewinnen", sagte Zabel in Bayonne.

    Armstrong, der auch nach Hamiltons Teamwechsel von US Postal zu CSC befreundet blieb mit seinem ehemaligen Helfer und im spanischen Gerona dessen Nachbar ist, gratulierte Hamilton zu seinem großartigen Sieg bei der letzten Bergetappe, bei der sich die beiden Topfavoriten nicht aus der Deckung wagten. "Es war heute keine leichte Etappe. Die Berge waren bei der Feuchtigkeit besonders schwer. Aber meine Mannschaft hatte alles unter Kontrolle", sagte Armstrong.

    "Es bleiben noch vier Tage und ich werde alles tun, um die Tour noch zu gewinnen", sagte Jan Ullrich, der ebenfalls Hamilton gratulierte zu "dieser Superleistung". Der Bianchi-Kapitän weiter: "Die Tour ist nicht entschieden bis wir in Paris sind. Beim Zeitfahren werde ich kämpfen bis zum letzten Meter. Auf den nächsten Etappen werde ich wachsam sein und vor allem versuchen, Stürzen aus dem Weg zu gehen."

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