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Die Jubiläums-Tour de France geht zu Ende
"So verdorben ist unser Sport wohl doch nicht"
Tour-Direktor Jean-Marie Leblanc zieht Bilanz und blickt in die Zukunft


Foto: Roth
27.07.03 (rsn) - Renn-Direktor Jean-Marie Leblanc strahlt am Ende der "Tour du Centenaire". Die Jubiläums-Tour de France war ein großer Erfolg beim Publikum an der Strecke wie auch bei den TV-Quoten in Frankreich und andernorts in Europa. Es gab keine
Skandale und es war ein dramatisches, spannendes Rennen wie seit zehn Jahren nicht mehr. "Wir müssen schauen, dass das Soufflé im nächsten Jahr nicht zusammenfällt", schmunzelt Leblanc.

War die Tour de France so wie von Ihnen erwartet?

Leblanc: Nein, le Centenaire hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Wir haben uns gewünscht, dass es eine ruhige Tour wird, in gutem Klima und dass es auch ein Fest wird. Ich glaube, mit dieser Tour haben wir die Geschichte geehrt und die, die das taten waren Champions und Persönlichkeiten - und auch junge Leute. Wir haben gesehen, wie das Publikum an der Tour hängt. Was wir so nicht erwartet haben, war ein solch großartiges Rennen, eine qualititativ hochstehende Tour. Es war sicherlich das spannendste Rennen seit einem Dutzend Jahren.

Was hat Sie an dem Rennen besonders begeistert?

Leblanc: Champions, die sich miteinander messen, kämpfen auf athletischer, taktischer Ebene mit großer Moral. Es war eine Auseinandersetzung mit Fair Play, mit Schneid und großem sportlichem Charakter.

Gab es dieses Jahr wieder mehr Zuschauer?

Leblanc: Es scheint, als kämen jedes Jahr mehr Menschen und als würde die Tour immer populärer. Wir haben mehr Zuschauer gesehen, die an der Tour und den Rennfahrern hängen, sie lieben. Sie drücken das aus mit Transparenten, Dekorationen an der Strecke usw. Bestimmt hat das Jubiläum bei den Menschen Erinnerungen geweckt. Ich glaube auch, dass das Fernsehen eine große Rolle spielt. Es zeigt die Frankreich-Rundfahrt und Frankreich von seiner besten Seite und es weckt den Wunsch, dabei sein zu wollen bei diesem Fest. Für uns Organisatoren ist das ein schönes Gefühl, macht uns aber gleichzeitig auch ein bißchen Angst. Wir müssen mit dieser Begeisterung umgehen, sie kanalisieren.


"Wir können nicht
immer größer werden"

Was planen Sie?

Leblanc: Bei der Tour du Centenaire hatten wir alle Hände voll zu tun mit logistischen Aufgaben, mit zusätzlichen Anforderungen, den Feierlichkeiten usw. Nächstes Jahr müssen wir schauen, wieder ein bißchen bescheidener zu werden. Die Tour ist wirklich an ihrem Limit, am Maximum ihrer Möglichkeiten. Wir können nicht immer größer werden.

Welche Bilder von der Tour 2003 bleiben Ihnen am stärksten in Erinnerung?

Leblanc: Die dramatischen Bilder wie der Sturz von Beloki, der Sturz von Armstrong, der böse hätte ausgehen können. Glänzende Bilder, wie die Demonstration des Fair Play. Der Klaps von Armstrong, als er (nach Luz-Ardiden) an Chavanel vorbeifuhr. Ich kann mich nicht an eine Tour erinnern, bei der es soviele schöne Momente gab. Trotz all des Drucks, des Geldes, haben sich die Athleten die Qualitäten des Amateur-Sports bewahrt. Sie sind 30 Jahre alt und Millionäre. Sie kämpfen miteinander bis zum letzten. Und danach gibt man sich die Hand. Es ist gut, dass unser Sport wohl doch nicht so verdorben (pourri) ist, wie manche sagen und schreiben.

Welche Rolle hat die Streckenführung gespielt?

Leblanc: Man muss die Rolle, die der Kurs spielt, relativieren. Die Organisatoren machen Vorschläge, die Rennfahrer bestimmen das Rennen. Wir hatten ein halbes Dutzend Herausforderer von Armstrong, die besser vorbereitet waren und Armstrong war weniger dominierend. Das hat das Rennen geprägt. Ein anderer Kurs hätte nicht viel geändert.

Sie haben Ihren Vertrag verlängert. Wie und wann wird über Ihre Nachfolge entschieden?

Leblanc: Ich werde auch 2004 Direktor der Tour sein. Es ist notwendig, dass ich meine Nachfolge regele. Unsere Aktivitäten werden immer umfangreicher. Jetzt sind es bereits 75 Renntage, die wir organisieren. Ich werde nicht mehr überall alles machen. In diesem Zusammenhang hat Daniel Baal (Vize-Direktor und designierter Nachfolger) seinen Platz.

Wie wird die Tour de France 2004 werden?

Leblanc: Ich glaube, dass alle, auch Rennfahrer und Teams den Atem der Geschcihte gespürt haben bei dieser Tour. Zweifellos haben alle noch einen Tick mehr gemacht und waren noch motivierter. 2004 wird es darum gehen, aufzupassen, dass das Soufflé nicht zusammenfällt.

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