Tour de France
Ullrich nach fünftem 2.Platz: "Jetzt erst recht"
Foto: Roth
27.07.03 (dpa) - «Das ist ein Sieg für mich»,
sagt der Gesamtzweite. Und
dann kündigte Jan Ullrich für 2004 trotzig einen
entscheidenden Angriff auf den Thron von Lance Armstrong an - so, als hätte ihm die
diesjährige Tour de France lediglich zum Warmfahren gedient.
«Jetzt
erst recht, Lance muss sich warm anziehen», sagte Ullrich nach dem
Zeitfahren von Nantes, bei dem Lance Armstrong den Olympiasieger zum
dritten Mal nach 2000 und 2001 beim bedeutendsten Radrennen der Welt
auf den zweiten Rang verwiesen hatte. Auch Bianchi-Teamchef Rudy
Pevenage nahm das langfristige Ziel ins Visier «Ich will mit Jan
noch ein Mal die Tour gewinnen - am besten nächstes Jahr.»
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Ullrichs Blickrichtung Tour 2004 hatte nichts mit aktueller
Verdrängung zu tun, obwohl ihm durch einen Sturz 12 km vor Nantes der
zweite diesjährige Etappensieg zur Krönung seines sensationellen
Tour-Comebacks entgangen war. «Schon vor dem Sturz war klar, dass ich
Lance am erneuten Toursieg nicht hätte hindern können», sagte
Ullrich, dem die Fachwelt dieses Aufbäumen gegen Armstrong nach 14
monatiger Zwangspause mit Tiefs am laufenden Band nicht zugetraut
hätte.
Auch wenn Eddy
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Jan Ullrich in Paris
Foto: Roth
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Merckx am Sonntag mäkelte «Jan war stark, aber
doch nicht schnell genug. Auf der ersten Pyrenäen-Etappe hätte er aus
seiner Überlegenheit mehr machen müssen.» Altmeister Laurent Jalabert
kritisierte Ullrich, dass er die Regen nasse Strecke des Zeitfahrens
im Gegensatz zu Armstrong nicht inspiziert und sich stattdessen mit
einem Video zufrieden gegeben hatte. Außerdem hätte er sein Material
- zum ersten Mal fuhr er ein Vier-Speichen-Vorderrad - nicht
beherrscht.
Die Tour braucht Jan Ullrich und er braucht sie. «Er hat
begriffen, dass er nichts so gut kann wie Radfahren», begründete
Pevenage den Wandel vom manchmal etwas schlampigen Genie zum
professionellen Champion. So gut vorbereitet wie diesmal stellte sich
Ullrich zum ersten Mal seit 1997 wieder in Frankreich vor. Äußeres
Zeichen Der gebürtige Rostocker, in der Vergangenheit manchmal ein
Pummelchen, wirkt so asketisch wie zuletzt bei seinem Olympiasieg
2000 in Sydney.
Tour-Chef Jean-Marie Leblanc tat gut daran, Ullrich und seinem
erst vor knapp zehn Wochen aus dem Boden gestampften Team den Weg zur
Tour zu ebnen. Die pompöse Geburtstags-Tour war die spannendste seit
1989, als der dreifache Toursieger Greg LeMond als erster Amerikaner
Paris eroberte und dem Franzosen Laurent Fignon im letzten Zeitfahren
den Sieg noch mit acht Sekunden Vorsprung entriss. An diesem
besonderen Nervenkitzel hatte Ullrich, der bei sechs Tour-Teilnahmen
zum fünften Mal zweiter wurde, großen Anteil.
Aber der gebürtige Rostocker, der so locker und selbstbewusst
wirkt wie nie, punktete nicht nur durch sportlich annähernde
Ebenbürtigkeit mit dem fünffachen Toursieger. Die Drosselung seines
Tempos beim Schlussanstieg nach Luz Ardiden als Reaktion auf den
Armstrong-Sturz brachte ihm weltweit Sympathie-Punkte ein für
Ritterlichkeit. Nach 23 Tour-Tagen im Super-Stress war Jan Ullrich,
der sich bei seinem Sturz mit Tempo 50 nur leichte Verletzungen an
Arm und Hüfte zugezogen hatte, am Sonntag auch als Familienmensch
gefragt Auf den Champs Elysées erwartete ihn seine Lebensgefährtin
Gaby mit der gemeinsamen Tochter Sarah Maria, die vier Tage vor der
Tour geboren wurde.
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