Spanien-Rundfahrt
Heras: "Ich habe nicht daran geglaubt"
27.09.03 (rsn) - Der Spanier Roberto Heras (US Postal)
steht vor seinem zweiten Sieg bei der Spanien-Rundfahrt.
Beim 11,2km langen Bergzeitfahren
am Alto de Abantos (1.Kategorie) bei Madrid
fuhr der 30-jährige US Postal-Kapitän
am Samstag die Bestzeit und nahm
dem bisherigen Gesamtleader Isidro Nozal
(ONCE) das Gelbe Trikot noch ab.
Vor der flachen Schlussetappe
am Sonntag hat Heras nun 28 Sekunden Vorsprung
auf Nozal.
Als Heras am Samstag die Ziellinie überquert
hatte, verschwand er sofort
im Teamfahrzeug von US Postal
und sah sich gemeinsam mit
seinem Sportdirektor
Johan Bruyneel die letzten Kilometer
von Nozal im Fernsehen an. Nachdem der die Etappe mit
2:23 Rückstand
beendete, brach Heras
in Tränen aus.
An den Gewinn dieser Vuelta
hatte er kaum noch geglaubt.
Nach der 13.Etappe hatte
Heras über fünf Minuten Rückstand...
"Ich war wirklich sehr bewegt",
sagte Heras später in der Pressekonferenz.
"In den letzten Tagen hat sich viel
Druck aufgebaut und
jetzt fiel alles von mir ab.
Ich bin heute vom Start weg
voll gefahren, habe alles gegeben.
Ich wusste, dass jeder einzelne Meter zählt.
Zehn Sekunden pro Kilometer
musste ich (Nozal) abnehmen.
Ich habe nicht geglaubt,
dass das möglich ist."
Die 21. und letzte Etappe am Sonntag bildet
die "Ehrenrunde" der 58. Vuelta und wird
für Roberto Heras, der bereits vor
drei Jahren seine Heimatrundfahrt
gewonnen hatte, keine Gefahr mehr darstellen.
Der Teamgefährte und Leutnant von
Toursieger Lance Armstrong
war bei der letzten Bergetappe am Freitag
bis auf 1:55 Minuten an
Vuelta-Überraschung Nozal herangefahren.
"Das wird sicherlich nicht
reichen", hatte Heras daraufhin gesagt.
Doch beim Zeitfahren
geriet Nozal, der wohl auch für
die Anstrengungen bei der Verteidigung
des Gelben Trikots am Vortag bezahlte,
zunehmend in Schwierigkeiten.
Am Ende fuhr der
25-jährige Spanier auf
den 43. Tagesrang und
verlor 2:23 Minuten.
Nozal rutschte in der Gesamtwertung
auf den zweiten Platz.
Verrückt: Wenn Nozal vor der Rundfahrt
jemand gesagt hätte,
dass er mal enttäuscht sein würde,
Zweiter zu werden, hätte
er das sicherlich nie geglaubt.
Niemand hätte dem aus dem Nichts kommenden
Kantabrier eine Podiumsplatzierung zugetraut.
Doch einen Tag vor Ende einer großen Rundfahrt
die Führung zu verlieren, das ist immer bitter.
Trotz der Riesenenttäuschung
zeigte Nozal Größe in der Niederlage.
"Ich gratuliere Roberto Heras.
Er hat gewonnen und er verdient es",
sagte Nozal. "Ich habe heute
die Müdigkeit
von drei Wochen Rundfahrt
gespürt. Für mich ist es sehr hart,
am vorletzten Tag die Führung zu verlieren.
Aber vor drei Wochen habe ich nicht
mal zu träumen gewagt, Zweiter zu werden.
Der zweite Platz ist ein Sieg für mich,
auch wenn ich jetzt traurig bin."
Schwarzer Tag für ONCE
Auch der zweite ONCE-Leader
Igor Gonzalez de Galdeano,
der im Laufe der Rundfahrt seine Kapitänsrolle an Nozal abgeben musste,
war enttäuscht.
Der junge Kelme-Profi Alejando Valverde
nahm ihm mit der zweitbesten Zeit
den dritten Gesamtrang noch weg.
Auch in der Teamwertung,
die ONCE seit
dem Sieg beim Mannschaftszeitfahren
zum Auftakt angeführt hatte,
verlor ONCE die Führung (an Banesto).
Ein rabenschwarzer Tag für ONCE,
dessen Teamchef Manolo Saiz
nach seinem Rauswurf infolge des Eklats vom Freitag
das Geschehen am Fernseher verfolgen musste.
Saiz selbstverschuldete Abwesenheit
half Nozal sicherlich auch nicht.
ONCE könnte versucht sein, mit
letzter Verzweiflung
die 145km lange "Ehrenrunde"
nach Madrid am Sonntag trotz des flachen Profils
für einen letzten Angriff zu nutzen.
Dabei jedoch hätten Nozal und Co.
dann nicht nur US Postal gegen sich,
sondern auch Telekom.
Erik Zabel nämlich
verlor am Samstag das Punketrikot
an Valverde, der dank seines
zweiten Tagesrangs
an dem Deutschen vorbeiging.
Ein Pünktchen Rückstand hat
Zabel, der damit alles dransetzen wird,
bei den Zwischensprints
und einem Massenspurt in Madrid
sich das Trikot,
das er im letzten Jahr gewann,
zurückzuholen.
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