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58.Spanien-Rundfahrt
Der September wird für die Vuelta zum Problem


Spanien ist schön im September - aber manchmal recht einsam Foto: Roth

29.09.03 (rsn) - Ein Rennen ohne Stars, müde Profis, Mangel an Sponsoren, geringes Zuschauer-Interesse an der Strecke und magere TV-Quoten: Die 58. Auflage der Spanien-Rundfahrt läßt nichts gutes erahnen für die Zukunft der dritten "großen Rundfahrt". Die alles andere als feierliche Stimmung auf dem Madrider Prachtboulevard Castellana am Sonntag beim Vuelta-Finale passte genau ins Bild.

Spanien-Rundfahrt
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  • Wenige Zuschauer verloren sich am Sonntag in Madrid und den Rennfahrern wurde am Ende der dreiwöchigen Vuelta kein begeisterter Empfang bereitet. Ein Vergleich mit dem Tourfinale auf den Champs Elysées verbietet sich ohnehin, aber auch mit dem Giro d'Italia kann die Vuelta inzwischen nicht mehr mithalten. Die TV-Quoten in Spanien waren schlecht. Der staatliche Sender TVE, der Mitveranstalter ist, verzichtete am zweiten Samstag (22.September) sogar fast ganz auf die Live-Übertragung und zeigte stattdessen Davis-Cup-Tennis und ein Motorradrennen in Brasilien. Nur die letzten fünf Kilometer wurden gezeigt, was die (verbliebenen) Vuelta-Sponsoren sicherlich erfreute.

    Die Position von Vuelta-Veranstalterin Unipublic wird durch diese Entscheidungen des Fernsehens natürlich geschwächt. Doch gerade die garantierte TV-Präsenz war für Unipublic bisher ein Pfund, mit dem man wuchern konnte bei potenziellen Sponsoren. Und gegenüber dem Fernsehen fühlte sich die Vuelta so stark, dass es die Rechte an der nationalen Rundfahrt nur im Paket mit Übertragungs-Pflicht für kleinere Rennen verkaufte. Wenn TVE seine Übertragungen künftig weiter reduzieren sollte, wird es eng für die Vuelta-Veranstalter, denen jetzt schon die Sponsoren weglaufen. Der Telefon-Riese Telefónica, langjähriger Sponsor des Gelben Trikots, zog sich etwa zurück. Bei der Vuelta sind inzwischen drei der vier Hauptsponsoren halbstaatliche Unternehmen wie die Post oder staatliche Tourismus-Werbung.

    Das Rennen der 58.Vuelta war nicht angetan, Werbung für die Vuelta zu machen und neue Sponsoren zu begeistern. Das spannende Duell um den Gesamtsieg am Ende konnte nicht über den ansonsten zähen Rennverlauf hinwegtäuschen. In den Pyrenäen, wo es bei der Tour de France im Juli ein Riesenspektakel gab, fehlten die ganz großen Anstiege und die Favoriten fuhren in der Gruppe über die Berge. "Im September kann man ja auch keine großen Berge mehr ins Profil nehmen. Die Rennfahrer haben eine lange Saison in den Beinen und sind müde", nahm Radlegende Miguel Indurain die Vuelta-Organisatoren gegen Kriktik am Kurs in Schutz.

    Der September! Der ist genau das Problem der Vuelta. Bis 1995 fand die Spanien-Rundfahrt traditionell im April und Mai statt. Dann reformierte die UCI den Rennkalender. Um die Saison (und die Sponsorengelder) bis zum Saisonende mit Großereignissen am Laufen zu halten, schob man die Straßen-WM vom August in den Oktober. Die Vuelta wechselte vom Frühjahr in den September. Um den Spaniern den riskanten Wechsel schmackhaft zu machen, wertete die UCI das Rennen auf (gleiche Weltranglisten-Punktzahl wie Tour und Giro, Verlängerung auf drei Wochen). Die Vuelta wurde die dritte "große Rundfahrt".

    Doch die Rennfahrer machten einen Strich durch die Rechnung der Kalender-Strategen. Die großen Stars kommen nur noch in Ausnahmefällen zur Vuelta, etwa, wie Jan Ullrich 1999, um eine bis dato verpatzte Saison zu retten oder sich auf die WM vorzubereiten. Früher fuhren (Tour-)Größen wie Anquetil, Poulidor, Gimondi, Merckx, Hinault und Delgado regelmäßig ambitioniert die Spanien-Rundfahrt und gewannen sie auch. In diesem Jahr war keiner der ersten Sechs von Tour de France und Giro d'Italia bei der Vuelta. Besonders bitter: Nicht mal die besten Spanier bei der Tour, die Basken Haimar Zubeldia und Iban Mayo ließen sich blicken...

    Natürlich wissen auch die Vuelta-Organisatoren, wie prekär die Lage geworden ist. Wie dünnhäutig man inzwischen ist, zeigte die Vuelta-Affäre um Weltmeister Mario Cipollini, den man quasi zum Start nötigte mit der (an sich regelwidrigen) Drohung, man werde seine ganze Mannschaft wieder auszuladen, wenn er absagte. Cipollini fügte sich scheinbar, doch natürlich passierte genau das, was die Vuelta-Organisatoren ja selbst aus ähnlichen Erfahrungen der Vergangenheit hätten ahnen müssen: Der Weltmeister ohne Form rollte 28km mit und reiste wieder ab. Der Vuelta blieb mit Alessandro Petacchi dennoch der beste Sprinter des Jahres erhalten. Der holte in Spanien fünf Siege und stellte einen neuen, vielleicht ewigen Rekord auf bei großen Rundfahrten. "Nächstes Jahr werde ich meinen Rekord keinesfalls verbessern können. Ich fahre nur zwei große Rundfahrten", sagte Petacchi. Welche zwei das wohl sein mögen...

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    Ergebnisse, Etappen, Starter, Palmares

    Übersicht: Spanien-Rundfahrt




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