Nozal vor Gewinn der Spanien-Rundfahrt
In sechs Wochen vom Helfer zum Vueltasieger
Foto: Roth
22.09.03 (rsn) - Mit einem Vorsprung
von mehr als vier Minuten auf
seinen gefährlichsten Rivalen Roberto Heras (US Postal)
und den schwersten Bergetappen hinter sich
scheint dem jungen Isidro Nozal der Sieg bei der
58.Spanien-Rundfahrt nicht mehr zu nehmen zu sein.
Der 25-Jährige, der beide Zeitfahren dominierte,
ist nunmehr in der letzten Vuelta-Woche auch
bei seinem ONCE-Team der unumschränkte Leader.
Und vor wenigen Wochen hätte Nozal beinahe
schon frustriert seine Karriere beendet.
Nozal überraschte bei der Vuelta
nicht nur seine Rivalen und die Zuschauer -
viel mehr noch war er selbst überrascht.
Nach seinem Sieg beim
zweiten Zeitfahren
am letzten Freitag in Albacete brach der 25-Jährige
im Presse-Raum plötzlich in Tränen
aus. Ihm war gerade klar geworden,
dass er wirklich diese
Spanien-Rundfahrt gewinnen kann.
Mit seinen Siegen in den beiden Zeitfahren
nahm Nozal auch seinem
eigentlichen Kapitän Igor Gonzalez de Galdeano
über drei Minuten ab und stellte
so die Teamhierarchie bei
ONCE auf den Kopf.

Neue Teamhierarchie: Nozal vor Igor Gonzalez de Galdeano

Starker Rouleur: Nozal gewann beide Vuelta-Zeitfahren
Fotos: Roth
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Der öffentliche Gefühlsausbruch
ist leicht nachzuvollziehen.
Erst vor wenigen Wochen hatte der
vor der Vuelta international völlig
unbekannte Isidro Nozal
daran gedacht, seine Karriere zu beenden.
Die Tour de France beendete er
so erschöpft, dass er beinahe den Glauben
an seine Leistungsfähigkeit
verlor. Und nun
steht er vor dem Gewinn
der Vuelta, die - zumindest
in der Weltranglisten-Arithmetik -
den gleichen Stellenwert hat wie die Tour de France.
Den Sieg im ersten Vuelta-Zeitfahren in Saragossa
konnte man noch für einen
glücklichen Zufallstreffer Nozals halten.
Doch dann hielt sich der Träger
des "goldenen" Trikots auch
in den Pyrenäen wacker,
während der eigentliche ONCE-Leader
Galdeano am Ausbique Schwächen offenbarte.
In den spanischen Medien attackierte man
ONCE-Teamchef Manolo Saiz,
weil der zu lange an Galdeano festgehalten
und zu wenig Vertrauen zu
Nozal habe. Wann hat ein Teamchef,
der bei einer großen Rundfahrt
die ersten beiden Plätze
hat, soviel Kritik hinnehmen müssen?
Isidro Nozal selbst nimmt seinen Teamchef
in Schutz. Er erinnert daran,
dass es Saiz gewesen sei,
der ihn 1999 als Neuprofi verpflichtete
und Saiz auch in schlechten Zeiten
zu ihm gestanden habe.
Nach der Tour hatte der ONCE-Teammanager,
der nach außen hin oft sehr großtuerisch
auftritt, zu seinen Rennfahrern
aber ein partnerschaftliches und sehr enges Verhältnis hat,
den demoralisierten Nozal aufgemuntert
und ihn geradezu gedrängt, die Vuelta zu fahren.
"Pyrenäen Light"
"Ich würde gerne meinen zweiten Platz halten,
aber ich weiß, dass ich meine
Ambitionen zurückstellen muss.
Absolute Priorität hat jetzt, dass
ONCE und Nozal die Vuelta gewinnen",
sagt Igor Gonzalez de Galdeano
und bestätigt damit noch einmal
den Wechsel der Leaderrolle.
In den verbleibenden
sechs Etappen kann eigentlich
nur noch ein völliger Einbruch
oder ein Sturz Nozal vom Vuelta-Sieg abhalten.
Die letzte echte Kletter-Etappe
am Dienstag endet
in der Sierra Nevada
in 2510 Metern Höhe, am "Dach" der Vuelta.
Der Anstieg ist lang (30km), aber nicht sehr steil.
Die echten Bergfahrer mögen den Anstieg überhaupt nicht,
denn Rouleurs wie
Gesamtleader Nozal kommen ganz gut damit zurecht.
Kletterspezialist Roberto Heras, Gesamtdritter hinter
den beiden ONCE-Fahrern,
dürfte in der Sierra Nevada
nicht mehr (genug)
Zeit holen können.
Heras ist natürlich enttäuscht, dass er
seinen Vuelta-Sieg von 2000 erneut
nicht wiederholen kann.
Heras kritisiert die Organisatoren,
weil sie einen zu leichetn Kurs gebaut
hätten. "Es gab bei der Vuelta eigentlich nur vier Kilometer,
auf denen Kletterer Zeit gutmachen konnten",
sagt Heras und meint damit
den Pandera, wo
es am Sonntag erstmals bei der Rundfahrt
einen schönen Schlagabtausch
der Favoriten gab.
In den Pyrenäen
hatten die Organisatoren
nur weniger schwere Berge
ins Profil genommen und
eher leichte Anstiegen
in die "Ehrenkategorie"
eingestuft.
"Das war Pyrenäen light",
spottet Heras.
US Postal-Teamchef Johan Bruynel
hat trotzdem die Hoffnung
noch nicht ganz aufgegeben.
"Natürlich ist Nozal jetzt in
idealer Position.
Aber man hat schon Anzeichen von Schwäche
gesehen und man muss dranbleiben",
sagt Bruyneel.
Inzwischen wäre es aber eine Sensation,
wenn Nozal die Vuelta nicht
gewinnt...
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